Style -  kreativ Skifahren und Boarden

 Von der Norm zum Style

 Entwicklung

Innovationen im Wintersport sind oftmals Ausdruck gesellschaftlicher Prozesse. Die steigenden Erwartungen an die Freizeit, der Drang nach Freiheit und Mobilität führen zur zunehmenden Individualisierung. Erlebnis- und Abenteuerorientierung wecken die Lust auf Natur pur. Menschen möchten sich in ihrer Freizeit Träume erfüllen, sie wollen sich ausleben: Einfach frei bewegen im Schnee und den Alltag vergessen.

Stylen befriedigt diese Bedürfnisse und setzt ungeahnte Energien frei. Die Weiterentwicklung der "Fun"-Geräte regt zusätzlich den Erfindergeist an. Moderne Trends und Szenen überwinden Tradtitionen.

Freie Bewegungsformen lösen das normierte Technikverständnis von gestern ab. Individuelle Ziele leben von Ge-fühlen, gemeinsam gestalten sie die Bewegungsführung und steuern das spontane Fahrverhalten.

Style ist Ausdruck der situativen Empfindungen, er übersetzt Emotion in Bewegung und interpretiert die Spielräume.

Lifestyle:

Verhaltensweisen und Lebenseinstellungen sind immer mehr globalen Entwicklungen unterworfen. Im Zeit-alter des rasanten technischen Fortschritts und der weltweiten Vernetzung stoßen soziale Kontrollen auf immer stärkeren Widerstand. In ihrem Lebensstil suchen Menschen das Gefühl von Unabhängigkeit. Das drückt sich aus in der Mode, in der Musik, im Konsum, in Lebenszielen und Wünschen, und macht natürlich auch vor dem Wintersport nicht halt.

Schulmeisterliche Reglementierungen werden nicht länger akzeptiert.

Die Welt der Bewegung wird als Chance entdeckt, die täglichen Zwänge abzuschütteln. Dabei sind technische Details zunächst out, sie interessieren erst ab einem bestimmten Niveau, wenn sie gebraucht werden. Im Vordergrund steht die Bewegungs-gestaltung, um möglichst viel zu erleben. Wichtig sind nicht vielfältigste Varianten, sondern mit der richtigen Ausrüstung am richtigen Ort die Philosophie mit den richtigen Leuten einzuatmen und zu spüren.

Kreativität:

Kreativ sein, wer möchte das nicht? Doch bekanntlich kommt Kunst von Können, was ja heißt, dass erst handfeste Grundlagen die freie Entfaltung ermöglichen. So sollte man beim Stylen sein Gleichgewicht im Griff haben und selbst unkonventionelle Arm- und Rumpfbewegungen dürfen den spielerischen Umgang mit dem Kanten, Belasten und Drehen nicht stören. Dann kann man Kunststücke erfinden oder beeindruckende Stunts nachahmen. Dem persönlichen Einfallsreichtum sind absolut keine Grenzen gesetzt. Genauso frei wie Kopf und Herz ist auch die Auswahl der Ausrüstung. Egal ob Ski, Snowboard, Telemark oder Skiboard, allein das Ergebnis zählt -

im Innersten abheben und Ich sein! Bereits die Einschränkung auf be-stimmte Bereiche und Areas widerspricht diesem Spirit. Die Dimensionen der eigenen Fähigkeiten kann jeder überall ausreizen. Auf der endlosen Abfahrt, im SnowPark, in der Buckel-piste, im Powder oder wirklich Back-country, dort wo die Freiheit zu Hause ist!

Gerätecharakteristik:

Ski:

  •            Schwache Taillierung; Carven steht nicht im Vordergrund

  •            Skilänge bis ca. Kinnhöhe   in Park und Pipe, bis ca. Körpergröße oder länger bei Freeride

  •            Ski mit TwinTip (vorne und hinten aufgebogen für die Tricks)

  •            Ski ohne Erhöhung der Standfläche

Snowboard:

  •            Freestyle/Freerideboards: Körpergröße 20cm bis Körpergröße

  •            Softboots

Skiboard:

  •            Ski: 80  120 Länge

  •            Ski ohne Erhöhung

Telemark:

  •            normale Alpinski

  •            Telemarkbindung

Empfehlung:

  •            Das Tragen eines Helms wird empfohlen.

Fahren auf der Piste:

  •            Schussfahren mit Abspringen

  •            Ollie

  •            Rückwärtsfahren (Fakie) in der Falllinie

  •            Rückwärtsfahren mit Kurven

  •            Fahren mit Drehungen

  •            Schussfahren mit Abspringen und

  •            ½ Drehung (von rückwärts auf vorwärts beginnen, dann umgekehrt), kleiner Buckel
               unterstützt das Abspringen

  •            Sprung mit 360°Drehung im flachen Gelände mit Armunterstützung und Drehen des
               Kopfes. Absprunghilfe erleichtert die Ausführung

Fahren in der Halfpipe:

Einstieg:

  •            In der Halfpipe hin und herfahren, im Flat bleiben

  •            In der Halfpipe höher hinauffahren, mit Sprung weiterfahren

  •            Hin und Herfahren, Sprung über dem Vert (auch mit Grip)

Methodische Hinweise:

  •            Angst vor dem Vert

  •             Vert relativ steil anfahren, warten, bis Gerät fast steht, durch Kopfdrehung dreht das Gerät
                von alleine in die Richtung nach unten

  •            Am Vert bleiben

  •             Anfänger machen den Fehler, dass sie vom Vert abdrücken, sie springen dann ins Flat
                (Verletzungsgefahr). Deshalb: Herausgleiten und leicht schlucken, dann bleibt man am Vert.

  •            Experimentieren mit Anfahrts und Ausfahrtswinkel

  •             Fährt man zu flach an, wird man schnell und kommt wenig hoch, fährt man steil an, verliert
                man Geschwindigkeit. Je nach Aufgabenstellung ist der Anfahrtswinkel von Bedeutung.

  •            Steigern von Tempo und Höhe

  • Werden Absprung und Landung sicherer, können Tempo und Höhe langsam gesteigert werden. Dies kann erfolgen durch höheres Einfahrttempo in die Pipe, Verändern des Winkels bei Absprung und Landung, aktives "Pushen" in der Transition (Vorstellung: aktives Schaukeln  passives Schaukeln) und durch Anfahren auf dem Coping mit anschließendem Eindroppen bei etwas mehr Tempo.

  •            Einfahren in die Pipe (Dropin oder Droppen)

  •             Beim Droppen in die Pipe die Beine aktiv anziehen und mit der ganzen Körperposition so
                nach vorne gehen, dass das Gerät schon im Vert mit der ganzen Länge Schneekontakt hat.

  •            Führung von Armen und Beinen

  •             Zunächst darauf achten, dass beim Springen die Arme und Beine relativ ruhig und kompakt
                geführt werden. Je weniger Bewegung zum Ausbalancieren nötig sind, desto besser.

  •            Aufgabensteigerungen

  •             Bei ausreichend Sprunghöhe und Sicherheit können nun verschiedenste Sprünge mit Grabs
                und Rotations  erlernt werden. Wichtig ist, dass das Gerät plan aufsetzt.

Jumps (mit grab):

Einstieg:

-           Springen über Schanze mit geringem Auftrieb

-           Springen einfacher Sprungformen:

            - Hocke

            - Grätsche

            - Schritt

            - gekreuzte Ski

            - Tweak

            - Anfersen

Straightjumps mit Grab:

-           Mute-grab:

            Im Sprung greift der Skifahrer mit einer Hand an den gegenüberliegenden Ski direkt vor dem
            Vorderbacken an der Außenkante. Er zieht diesen Ski so an sich heran, dass die Ski
            überkreuzen. Der Sprung kann "geboned" werden, d.h. während des grab wird er durch
            Vorschieben der Hüfte durchgestreckt.

            Beim Board: vordere Hand an der Frontsidekante.

-           Stiffy:

            Im Sprung greift der Skifahrer zum gegenüberliegenden Ski wie oben, nur imSchaufelbereich.
            Danach wird der Sprung durch Strecken der Beine geboned und die Ski
            ohne Überkreuzen durch den Arm zur Seite geführt.

-           Frontside grab:

            Japan: Eine Hand greift den gegenüberliegenden Ski, allerdings hinter den Beinen und unter
            dem Fuß an der Skibase. Auf dieser Seite ist das Bein gebeugt, das andere Bein wird
            gestreckt.

            Teilgrab:

            Der Springer winkelt beide Beine im Kniegelenk an, überkreuzt sie durch eine
            Fußgelenksbewegung und greift mit einer Hand den Ski derselben Seite. Er kann nun das
            Kreuz durch die Hand noch verstärken.

            Beim Board: hintere Hand ans Tail.

            Backside Air:

            Vordere Hand geht an die Backside-Kante, hinteres Bein strecken und tweak.

            Weitere grabs und Variationen

            liegen in der Phantasie des Springers.

Jumps mit rotation:

Einstieg:

-           Anfahrt schräg zur Welle - Auftrieb ausnützen - ½ Drehung zum Hang

-           Steigern über ¾ Drehung bis ganze Drehung

-           Springen mit ganzer Drehung über gerade kleine Schanze/Welle

Methodische Hinweise:

-           Aufrechtes Drehen um die Körperlängsachse

-           Körperspannung

-           Grundsätzlich sollen alle Geländeformen zuerst mit Sprüngen ohne Rotationen beherrscht
            werden. Dieverschiedenen Radien der Landungen von Pipe, Quarterpipe, Corner, Tabletop,
            Funbox usw. und auch die Ski- oder Boardercross-Strecke sollten sicher gemeistert werden.

-           Erste Rotationen können auf gut präparierten Pisten durch Drehungen auf dem Schnee
            erfühlt werden. Hilfreich sind hier schon Twintip-Ski bzw. Boards mit Tailaufbiegung

-           Die Rotationen können in verschiedenen Richtungen mit unterschiedlichem Tempo
            ausgeführt werden. Sehr wichtig sind hier auch schon die Rolle des Kopfes und der Arme:
            Der Kopf steuert die Bewegung in die richtige Richtung; die Arme schwingen mit.

-           Mit viel Training können die Jumps mit rotation auch mit zusätzlichen grabs ausgeführt
            werden. Die besten Slopestyler springen zur Zeit bis zu 1440° (also 4 ganze Umdrehungen)!

Sprünge werden allerdings nicht nur in der Körperlängsachse gedreht: Vorwärtssaltos, Rückwärtss (Front und Backflips) werden ebenso gesprungen wie Kombinationen aus verschiedenen Elementen (z.B. Rodeo-Flip: Rückwärtssalto mit 360°-Drehung).

Zum Erlernen solcher schwerer Moves ist es ratsam, ein Camp zu besuchen und auf dem
Trampolin zu üben.

Ecki Kober, Hannsjörg Held, SnowCompany mit Martin Schamböck