Bildung eines Gefahrenbewusstseins

Die Erziehung zur Eigenverantwortung dass ein rasches und selbständiges Handeln in Gefahrensituationen erfolgt. Wer sich auf andere verlässt, verliert gefährlich viel Zeit.

Die unsichtbare Gefahr

Ein Unfall darf nicht als etwas Schicksalhaftes hingenommen werden. Vielmehr soll versucht werden, mittels Unfallanalysen, Gegenstrategien zu entwickeln. Um das Risiko möglichst gering zu halten, bedarf es einer ständigen Lernbereitschaft und eines laufenden kritischen Überprüfens seines "nächsten Schrittes".

Instinkte schulen, Zusammenhänge erkennen

Unser Verstand allein reicht oft nicht aus, um uns in der Natur sicher zu behaupten.

Eine Erfahrung ist so stark wie die Gefühle, die mit ihr verbunden sind.

Betroffen sein und involviert werden bringt Erfahrungserweiterung.

Beste Lernbeispiele bieten Unfallberichte, die möglichst unmittelbar als Erfahrungswert anderer auf das eigene Handeln umgesetzt werden können.

Gefahren abseits der Piste

Schnee

Unpräparierter Schnee

Ein Beispiel: Im Frühjahr ist der richtig gewählte Zeitpunkt für eine Abfahrt von entscheidender Bedeutung: Ist man zu früh, rutscht man über eine pickelharte Harschschichte (Absturzgefahr); ist man zu spät, versinkt man im grundlosen Sulzschnee (unkalkulierbar!).

Nur eine kurze Zeitspanne (witterungsabhängig!) findet man ideale Firnverhältnisse vor.

Lawinen

Die Sicherheit abseits der Piste ist neben weiteren Faktoren vor allem von der Lawinensituation abhängig. Nur eine verantwortungsvolle Beurteilung der Lawinengefahr aufgrund genauer Analysen und dem daraus resultierenden Verhalten sowie der Routenwahl kann weitgehende Sicherheit bringen.

Wetter

Das Wetter ist der limitierende Faktor im Gebirge. Heute stehen uns erstklassige Hilfsmittel

In jedem Fall sollte man in der Lage sein, die zur Verfügung stehenden Wetterdaten auch richtig zu interpretieren und in seine regionale Planung mit einzubeziehen.

Vor Beginn eines Unternehmens holt auch der Erfahrenste am Ausgangspunkt seiner Tour bei Einheimischen (Bergführer, Hüttenwirt, Gendarmerie etc.) noch Erkundigungen über den Wetterverlauf ein.

Wind

Im Hochgebirge kommen Stürme sehr oft aus Kaltlufteinbrüchen, so dass sich Luftbewegung und Temperatur in ihrer Wirkung verstärken. Aufrechtes Gehen wird verhindert, plötzliche Sturmböen können einen Menschen umreißen (z.B.: Windstärke 7 mit 50 bis 60 km/h erschwert das Gehen, Schneefahnen; große Bäume geraten in Bewegung). Es kommt zu einer erhöhten Verdunstung an freien Körperstellen, die zu rascher Unterkühlung führt.

Nasse Kleidung, ein kleines technisches Gebrechen (Skibindung), Orientierungsprobleme oder Führungsschwächen können bei Sturm sehr rasch lebensbedrohlich werden.

Temperatur

Die Temperatur  bestimmt maßgeblich unsere Bekleidung.

Hier sei besonders auf die richtige Gruppentaktik [frühzeitiger Aufbruch bei sehr warmen Verhältnissen, ausreichende Pausen, Getränke für alle, rechtzeitiges An- und Ausziehen, ruhiges und gleichmäßiges Gruppentempo etc.] verwiesen.

Nebel

Jedes Bewegen abseits der Pisten erfordert Planung und Vorbereitung

Bei vollkommenem Orientierungsverlust bleibt die Gruppe zusammen und versucht ein

Sonne

Vor allem in größeren Höhen ist die Sonneneinwirkung intensiver und besonders die ultraviolette Strahlung nimmt mit der Höhe stark zu.

Dadurch ergeben sich einerseits objektive (nicht beeinflussbare) Gefahren, wie etwa Steinschlag und andererseits Gefahren, denen wir mit etwas Umsicht sehr leicht begegnen können. So kann man einen Sonnenstich, Sonnenbrand oder Hitzschlag durch Verwendung einer Sonnenschutzcreme mit hohem Schutzfaktor und Tragen einer Kopfbedeckung. Eine sehr gute Sonnenbrille, entsprechende Bekleidung und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme machen den Aufenthalt in der prallen Sonne erst angenehm.

Achtung! Die ultraviolette Strahlung kann durch Nebel und Schnee erheblich verstärkt werden.

Gelände

Wer nicht weiß wohin er geht, ist in großer Gefahr. Niemals sollte man einer Skispur folgen, ohne zu wissen in welches Gelände sie führt. Man stößt sonst leicht auf Hindernisse - Schluchten, Steilabbrüche - die nicht zu überwinden sind. Wer trotzdem versucht, seinen Weg fortzusetzen, riskiert einen folgenschweren Absturz.

Die einzige Möglichkeit abseits der Pisten bestehen zu können, liegt in einer gewissenhaften Vorbereitung

 Schulung des sicheren Verhaltens auf der Piste

Gut präparierte Pisten lassen ein hohes Fahrtempo zu. Andererseits sind solche Pisten auch dementsprechend stark frequentiert.

Oberstes Lernziel: der andere Pistenbenützer ist Partner im Wintersportvergnügen und nicht ein behindernder Konkurrent.

Verbesserung der Technik bringt neben einem besseren Lebensgefühl auch ein Steigerung der Sicherheit.

Lernen am Modell: Der Schüler lernt durch das positive Verhalten des Lehrers.

Situationsangepasstes Verhalten

Schüler brauchen Vorbilder. Diese sehen sie im Spitzensport täglich via TV: "Der Rennläufer als Maß der Dinge." - Ergo: Es sollen Freiräume geschaffen werden! Jeder muss lernen, seine Grenzen zu verschieben, sich zu verausgaben, sich zu messen. Nicht "verhindern" und "bremsen" schafft Sicherheit, sondern das Ausloten der individuellen Möglichkeiten führt zur Selbstständigkeit und somit zum verantwortungsbewussten Handeln.

Beispiel: Auf übervoller Piste zur "rush hour" propagieren Sie eher "Schönskilauf", morgens, auf einer leeren Buckelpiste aber "geht die Post ab".

Notfall  

Am Beginn eines Kurses sollen alle Namen der Gruppe notiert werden und diese Liste immer auf dem aktuellen Stand (Zu- und Abgänge!) gehalten werden.

Nur so weiß man auch in einer Extremsituation (z.B. Lawinenabgang), wer tatsächlich fehlt.

ALPINES NOTSIGNAL:

 

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Sechsmal in der Minute in regelmäßigen Abständen ein sichtbares (Winken, Fotoblitz, Spiegel) oder hörbares Zeichen (Schreien, Pfeifen).

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Dann eine Minute Pause.

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Hierauf neuerlich sechsmal in der Minute usw., bis Antwort kommt.

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Die Antwort erfolgt durch drei derartige Zeichen pro Minute mit minütlichen Pausen dazwischen.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Ruhig bleiben! Nachdenken!

Übernehmen Sie unmissverständlich das Kommando. Versuchen Sie sich einen Überblick zu verschaffen. Seien Sie autoritär und diskutieren Sie nicht. Teilen Sie jedem eine Aufgabe zu, damit nicht jeder das macht, was ihm gerade einfällt.

Sicherung

Grundsätzlich bleibt der Verletzte dort wo er ist. Gefahrenstelle absichern.

Ist weitere Gefahr im Verzug (Steinschlagrinne), so ist der Verunglückte möglichst schonend an den nächsten sicheren Platz zu bringen. 

Sofortmaßnahmen

a) Richtige Lagerung (z.B. stabile Seitenlage)  
b) Beseitigung lebensbedrohlicher Zustände: 1. Schock
  2. Atemstillstand
  3. Kreislaufstillstand

Den Verunglückten unter keinen Umständen allein lassen!

Trost und Zuversicht spenden!

Biwakbau

Am besten baut man selbst einmal ein Biwak, sonst wird man sich im Ernstfall nie und nimmer trauen, darin zu übernachten.

Abb. 1: Beispiele für Biwakhöhlen. Wichtig: Kältegraben und Luftlöcher zum Sauerstoffaustausch.

Viele Unfallbeispiele zeigen, dass die meisten Verunglückten bis zur Erschöpfung marschiert sind und so in eine ausweglose Situation geraten sind, obwohl Sie die Möglichkeit zum Biwakieren gehabt hätten.

"Siehst Du keinen Ausweg, so grabe Dich ein!". Minimalausrüstung: Lawinenschaufel!

Der drohenden Gefahr der Unterkühlung durch Wind und Schnee entgeht man am ehesten in einer Schneehöhle.

Details zum Biwakbau

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Der Platz für ein Biwak soll:

vor objektiven Gefahren sicher sein (Lawinen etc.),

im Lee (Windschatten) liegen,

eine ausreichende Schneemenge aufweisen (sondieren).

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Wichtig:

Der Eingang muss im Lee und möglichst klein und tief angelegt werden, damit ein Kältegraben entsteht.

Die Oberfläche der Höhle innen sorgfältig glätten (sonst tropft das Schmelzwasser!).

Ein Luftloch (mit dem Skistock gestochen) liefert die notwendige frische Luft.

Den Eingang außen markieren.

Den Eingang außen markieren.

Für den Bau braucht man ca. 2-3 Stunden, es empfiehlt sich daher rechtzeitig nach einem günstigen Platz Ausschau zu halten. (siehe Nebel).

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Verhalten im Biwak:

Nasse Kleidung sofort wechseln.

Mit Ski, Steigfellen und Rucksack eine gute Isolierung nach unten schaffen.

Skischuhe anlassen, aber für eine gute Blutzirkulation den Sitz stark lockern.

Wird in der Höhle gekocht, so muss ausreichende Frischluftzufuhr (Luftloch!) gewährleistet sein.

Kein Esbitkocher - Vergiftungsgefahr!

Biwaksackschleife

Sie eignet sich sehr gut für einen behelfsmäßigen Abtransport und ist allen anderen Systemen vorzuziehen (Skiverschraubung etc.).

Ist der Verunglückte nicht transportfähig, so muss man den Hubschrauber holen oder biwakieren.

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